Interview mit Dr. Marianne Krug, Frankfurt

Ich würde die vielen interessanten Sachbücher lesen, die ich in meinen Schrank gestellt habe, um sie irgendwann einmal zu lesen …

Ich komme aus einer Arztfamilie, Vater, Großvater, Onkel – so eine ganze „Dynastie“. Deshalb waren mir medizinische Themen schon als Kind vertraut. Mit 4 Jahren stand deshalb mein Berufswunsch fest: Ich werde Ärztin! Ja, und das habe ich auch gemacht.

Nach meinen ersten Schritten in der konventionellen Arztausbildung wurde ich zum Aussteiger. Ich ging für ein Jahr nach Südamerika, um dort in der medizinischen Versorgung zu helfen. Dieses Jahr war ein entscheidender Wendepunkt in meinem Leben. Nicht nur auf medizinischem Gebiet.
Als Assistenzärztin war ich in einem recht großen Krankenhaus mit voller technischen Ausstattung und landete in einer „Posta medica“, einer Anlaufstelle für erste medizinische Versorgung in den nördlichen Anden Perus. Die Apparateausstattung dort war überschaubar: ein Blutdruckgerät und ein rostiges Skalpell. Um überhaupt helfen zu können habe ich mich in die Familienmedizin der Kräuterheilkunde Südamerikas eingelesen. Auch ein Buch über Akupunktur fiel mir in die Hände. Die war damals (1980) noch unbekannt.
So hat mich die tägliche Arbeit weit weg geführt von der Gerätemedizin hin zu allen möglichen Facetten der Alternativmedizin, und die blieb bis heute im Mittelpunkt meiner ärztlichen Tätigkeit. Zu den Hormonen kam ich über die Lektüre eines Buches von Dr. John Lee über Progesteron – das vergessenen Hormon. Es wurden so viele wundersame Dinge über die Therapie mit dem bioidentischen Progesteron beschrieben, dass ich nur eines im Sinn hatte: „Dieses Progesteron muss unter die Leute gebracht werden.“ Und so begann die immer tiefer gehende leidenschaftliche Beschäftigung mit den Hormonen.

Die konventionelle Arbeit der Endokrinologie und der Gynäkologie im Bereich der steroidalen Hormone erschöpft sich in der Gabe von oralen Kontrazeptiva, für die immer mehr Indikationen gefunden werden und in der Hormonersatztherapie mit synthetischen Stoffen, die in den Hormonkreislauf einwirken. In Laien- und Therapeutenkreisen besteht bis heute das Missverständnis, dass es sich bei den verabreichten Stoffen um Hormone handele. Dem ist ja nicht so. Große Teile der Fortbildungen in diesem Bereich ergehen sich in der Behandlung und Vorbeugung der Nebenwirkungen eben dieser Medikationen. Die Gestagene allen künstlichen Stoffen voran haben ein enormes Nebenwirkungspotential. Im Gegensatz dazu haben Moleküle, die der Körper selbst bildet, in dem Bereich, den der Körper dafür vorgesehen hat keine Nebenwirkung sondern das einzige Ziel: Wohlbefinden. Das ist der größte Gewinn für die Patienten, dass man mit Stoffen arbeiten kann – z.T. mit identischer Wirkung! – die jede Zelle des Körpers kennt und die kein Nebenwirkungen im physiologischen Bereich haben.
Ein weiterer Gewinn für Patienten besteht darin, dass die Beschäftigung mit den hormonellen Abläufen deutlich zugenommen hat, da die Gefahr toxischer Schäden nicht besteht. Das heißt, dass heute eine Vielzahl von Menschen – meistens Frauen – heute in eine hormonelle Balance gebracht werden kann durch Zufuhr geringer Mengen der jeweils fehlenden Hormone anstelle einer chemischen „Führung“ von außen. Viele PatientInnen beschreiben mir immer wieder, wie gut sich hormonelle Balance anfühlt im Gegensatz zum Beispiel zur Unterdrückung durch jahrelange hormonelle Gleichschaltung durch die Pille.
Allein die weite Verbreitung der Kenntnis um hormonelle Abläufe gibt vielen Frauen Antworten auf Fragen mit denen sie bisher rat- und erfolglos durch viele Arztpraxen und Heilpraktikerzentren gelaufen sind.

In zehn Jahren würde ich das Gespräch suchen mit den vielen interessanten Menschen, die ich kennenlernen durfte und mit denen ich mich schon immer mal (wieder) treffen wollte … Und wenn du mir statt einer Stunde einen ganzen Tag schenken würdest, dann könnte ich dafür sogar längere Anfahrten in meinem Wohnmobil einplanen.